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Fünf Wälder für die Welt

- Der alte Buchenwald ist Weltnaturerbe -

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Es war ein Weg, der viele Jahre dauerte und dessen Erfolg bis zum guten Ende auf Messers Schneide stand. Am 25. Juni 2011, einem Samstagvormittag, tickerte die Nachricht aus Paris in die ganze Welt: Der alte Buchenwald Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide - Chorin ist Weltnaturerbe.


Nach der Grube Messel und dem Wattenmeer ist die Erben-gemeinschaft fünf heimischer Rotbuchenwälder erst das dritte Gebiet in ganz Deutschland, das dieses Prädikat trägt. Unglaublich!? Nun, wer einmal diesen alten Wald auf Pflasterwegen durchquert hat, weiß um die Reize mit seinem Mosaik steiler Endmoränen, langgezogener Seen, kleiner Moore, mächtiger Granitfindlinge, über allem immer wieder hallenartige Bestände prächtiger Rotbuchen und eine vitale Lebensvielfalt.

Fünf alte Buchenwälder in Deutschland, in den Nationalparks Jasmund und Müritz, Hainich und Kellerwald-Edersee haben gemeinsam mit dem Grumsin das große Ziel erreicht. Sie ergänzen das bestehende Unesco-Weltnaturerbe Buchenurwälder der Karpaten. Ein wunderbares Erbe, das zugleich verpflichtet. Zunächst die knallenden Sektkorken!

Dank und Respekt an alle Akteure, die sich über Jahre ins Zeug gelegt haben. Was für eine enorme Chance für die Region in der südlichen Uckermark! Zumal aktuell untrennbar vom Grumsin der Geopark „Eiszeitland am Oderrand“ entwickelt wird. Doch die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt.

Hartmut Kretschmer, Leiter des Biosphärenreservates, war vorbereitet. Gleich nach der Verkündung pro Grumsin informierte er, dass das Land Brandenburg 400.000,- € für touristische Infrastruktur bereitgestellt habe. Für Rad- und Wanderwege, für Erläuterungstafeln, Parkplätze oder öffentliche Toiletten. Der Hauptwanderweg, so steht fest, wird von Groß Ziethen nach Altkünkendorf führen. Zertifizierte Wanderführer werden Gäste auch abseits dieser Route begleiten.

Tourismus im Naturentwicklungsgebiet, in dem der Zutritt für Menschen aus guten Gründen verboten ist? Kann das funktionieren? Extrem störungsempfindliche und zugleich sehr seltene Arten wie der Schreiadler sorgen dafür, dass die touristische Erschließung unweigerlich zu einem Balanceakt auf der Rasierklinge werden wird.
Es kann gelingen. Wenn schnell gehandelt wird. Gut, dass ein Arbeitskreis mit Vertretern aus dem Biosphärenreservat und angrenzenden Orten ein touristisches Konzept entwickelt hat. Doch wirklich vorbereitet ist der alte Wald auf den erwarteten Ansturm noch nicht. Zweimal gut, dass die Ranger der Naturwacht Brandenburg gerade in den ersten Wochen Besucher informieren und lenken werden.

Gut auch, dass der NaturSchutzFonds Brandenburg Waldflächen in der Nachbarschaft erworben hat, mit denen die letzten privaten Waldbesitzer im Grumsin angemessen entschädigt werden können.

Bleibt festzuhalten: Der Welterbestatus ist kein Geschenk, sondern eine Verpflichtung, ein Auftrag und eine Chance.

Die Verpflichtung für Deutschland lautet, das Welterbe zu bewahren.

Der Auftrag heißt, die Menschen in der Umgebung in die weitere Entwicklung noch stärker einzuschließen und umgekehrt für die Menschen, sich selbst aktiv zu engagieren.

Die Chance hat Scheunentorcharakter: Gemeinsam mit dem Geopark, den Landkreisen und allen engagierten Akteuren einen Erlebnistourismus zu entwickeln, der dem Prädikat Weltnaturerbe entspricht.

Hierzu bedarf es außergewöhnlicher Ideen und hierzu muss die ganze Region hinter ihrem Welterbe stehen. Ja, und vielleicht wird dann der Traum eines vor wenigen Jahren gestorbenen Brodowiner Freigeistes doch noch wahr: Dass immer mehr Bewohner ihr UNESCO-Biosphärenreservat nicht nur akzeptieren, sondern wertschätzen und endlich auch lieben lernen.

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veröffentlicht im Berlin-Brandenburger Naturmagazin 3/2011

Copyright Roland Schulz