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Wehrhafte Weltbürger

- Wohltat für Pfauenaugen, Menschen, Admirale

und Landkärtchen -

Jedes Jahr rufen Naturschützer dazu auf, der Brennessel ein Eckchen im Garten als unersetzlicher Futterpflanze für Schmetterlingsraupen zu lassen. Doch der Weltbürger Brennessel kann mehr, ist Heilpflanze, Zutat köstlicher Gerichte, dient als Kleiderstoff, Dünger und naturverträglicher Geheimtipp gegen kleine Sauger.

Wahre Schönheit kommt von innen. Das wissen auch die leuchtend schwarzen Raupen eines allseits beliebten Frühlingsboten. Bereits im März verlassen die farbenfrohen Pfauenaugen ihre Winterquartiere, flattern wintermüde zu den ersten Blüten und warten auf das Erscheinen der stachelborstigen Brennessel. Partner gesucht, Eier an den Brennesseln abgelegt und ihr kurzes Falterleben ist zu Ende. Für die Raupen, sie tragen ebenfalls schützende Dornfortsätze, heißt die Devise für die nächsten Wochen: Fressen, und zwar ausschließlich Brennesseln, auf die sie spezialisiert sind. Gäbe es diese Pflanze nicht, würden uns Schmetterlingsarten wie Admiral, Landkärtchen, Kleiner Fuchs und natürlich Pfauenauge, fehlen.

Uralte Heilerin

Wahre Schönheit kommt von innen. Der über die ganze Erde verbreitete Tausendsassa Brennessel ist als blutreinigende Heilpflanze der Erfolgsgarant jeder Entschlackungskur. Die zudem wohlschmeckende Pflanze lindert Rheumaschmerzen, Blasenentzündungen und Prostatabeschwerden. Auch als Haarwässerchen soll sie schon manchem Mann beim Erhalt der Haarpracht unterstützt haben.

Das Brennesseln aufgrund ihres Mineralienreichtums sowie der Vitamine A und C gesund sind, hat sich herumgesprochen. DocAdmiral, weitgereister  Wanderfalterh die wenigsten wissen, wie gut diese kräftige und leicht, behandschuht - versteht sich - zu sammelnde Alleskönnerin wirklich schmeckt. Die in Langenburg lebende Pflanzenkennerin Brunhilde Bross-Burkhardt ist von der Urtica Dioica, so der lateinische Name, überzeugt. "Die Brennessel lässt sich außerordentlich vielfältig verwenden: Blätter und Triebe frisch oder getrocknet für Tee, als Wildgemüse oder als Tierfutter." Sie ergeben ein schmackhaftes Würzpulver für Suppen und selbst die Samen lassen sich knabbern. Wer nicht glaubt, welch runde Gerichte sich daraus zaubern lassen, von Brennesselchips über Brennessellasagne bis hin zu Wildkräuterpasteten, dem sei ihr Buch "Wildkräuter und Wildgemüse" empfohlen.

Seidenweiche Schmeichlerin

Allein bei der Vorstellung beginnt die Haut zu kribbeln: Hemden und Hosen, die aus Brennnesselfasern bestehen. Dies mag für mittelalterliche grob gewobene Büßergewänder gelten, nicht jedoch für moderne Gewänder. Laut Textilforscher Kai Nebel von der Fachhochschule Reutlingen tragen sich Stoffe aus Brennesselfasern leicht und locker wie Seide. Ausprobieren.

Längst wieder herumgesprochen hat sich unter Gärtnern die düngende Wirkung ihrer Jauche: Brennesseln in Wassertrog legen, mehrere Tage ziehen lassen, dabei täglich umrühren und ins Gießwasser mischen. Und 24 Stunden gezogen, hilft der Sud gegen Läuse. Allerdings nur im Anfangsstadium des Befalls und wenn mehrmals auf einander folgenden Tagen verdünnt gespritzt wird. Die Obstbäume werden es der Brennessel danken.


veröffentlicht im Haller Tagblatt Juni 2006

Copyright Roland Schulz