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"Toter Boden reagiert nicht auf den Kosmos"

- Grundlagen einer fachgerechten Humuswirtschaft -


Mehr als 56 Jahre seines Lebens hat der aus Trossin in der Neumark stammende Günther Graf Finkenstein als Landwirt gearbeitet. 1992 fand er im Ökodorf Brodowin ein neues Betätigungsfeld. Dort investiert er seitdem sein reiches Erfahrungswissen in die Umstellung des landwirtschaftlichenlandwirtschaft als raubbau? Betriebs auf biologisch-dynamischen Landbau nach Demeter-Richtlinien. Der Graf ist nach all seinen langjährigen Erfahrungen überzeugt, dass der Schlüssel für dauerhaft gesunde und fruchtbare Böden in einer fachgerechten Humuswirtschaft liegt. Doch diese Humuswirschaft beherrschen nur wenige.

"Es hat rund 30 Jahre gedauert, bis ich das, was ich im biologisch-dynamischen Landbau gemacht habe, selbst verstanden habe", umschreibt von Finkenstein seinen langen Weg zu einem ausgewiesenen Fachmann im Demeter-Landbau. Bis 1967 hat er einen konventionell bewirtschafteten 100-Hektar Betrieb im Rheinland geleitet. "Ständig war ich unsicher, ob der hohe Einsatz an Chemie wirklich der richtige Weg ist", erinnert er sich an seine damaligen Zweifel. Diese Zweifel gaben letztlich den Ausschlag, sich dem biologisch-dynamischen Landbau zuzuwenden. Dessen Richtlinien verbieten jeglichen Einsatz chemischer Düngemittel und Pestizide und schreiben artgerechte Tierhaltung ebenso verbindlich vor wie mehrjährige Fruchtfolgen. "Diese Richtlinien", so von Finkenstein, "sind wesentliche Grundlagen für eine fachgerechte Humuswirtschaft." Doch nur wenige Landwirte betreiben diese Humuswirtschaft. Die Folgen liegen für den Grafen auf der Hand: "Der Humusabbau und der Raubbau an landwirtschaftlichen Kulturflächen ist weltweit zu einer existentiellen Frage der Menschheit geworden." Als mahnendes Beispiel einer falschen Bewirtschaftung nennt er die von Natur aus sehr fruchtbaren, humusreichen Schwarzerdeböden der Ukraine. Deren natürlicher Humusgehalt, der zwischen 10 und 12 Prozent lag, wurde durch fehlerhafte Nutzung auf heute vergleichsweise kümmerliche zwei Prozent "heruntergewirtschaftet".

Wegen ihrer herausragenden Bedeutung für gesunde fruchtbare Böden hat sich von Finkenstein im Laufe seiner langjährigen Forschungen und Versuche der Humuswirtschaft besonders intensiv gewidmet. Wegweisende Erkenntnisse verdankt er dabei "der hervorragenden ostdeutschen Grundlagenforschung". Der 74-jährige erinnert sich an eine Tagung, bei der er zufällig mit dem ostdeutschen Professor Fröhlich in´s Gespräch gekommen war. Dieser erzählte von einem Dauerversuch, bei dem er die ertragsteigernden Wirkungen unterschiedlicher Dünger wie frischen Stallmist und abgelagerten Kompost über einen Zeitraum von zwölf Jahren miteinander verglichen habe. Nach Ablauf der zwölf Jahre hätten die Erträge auf mit Kompost gedüngten Flächen deutlich über den mit frischem Stallmist versorgten Parzellen gelegen.

Diese Ergebnisse decken sich mit dem Erfahrungswissen des Grafen. Das Besondere am sachgemäß hergestellten Kompost sind sehr stabile, der Graf nennt sie "geschützte" Humusverbindungen. Diese Humusverbindungen werden im Boden nur sehr langsam abgebaut und können an ihrer großen Oberfläche zahlreiche Nährstoffe speichern, die den Pflanzen bei späterem Bedarf zur Verfügung stehen. Zudem kann Humus über Jahrzehnte im Boden angereichert werden und so die Bodenfruchtbarkeit dauerhaft steigern.

Genaues Hinsehen als Grundlage für richtiges Verstehen

Doch die tägliche Praxis sieht meist anders aus. Noch immer richten viele Landwirte ihre Düngung einseitig auf hohe Stickstoffgaben aus. Häufig liege aber der Minimumfaktor für das Pflanzenwachstum woanders. Um diesen ertragsbestimmenden Minimumfaktor zu finden , benötigten Landwirte allerdings Erfahrung, Zeit sowie Wissen über die im Boden ablaufenden Prozesse. Diese Bereitschaft, sich mit grundsätzlichen Vorgängen intensiv zu befassen, fehle leider vielen Landwirten. Nicht so dem Grafen, für den "genaues Hinsehen die Voraussetzung für richtiges Verstehen" ist.

1992 kam er nach Brodowin. Gleich in seinen ersten Wopraeparate reifen in kuhhörnernchen im Ökodorf holte von Finkenstein mit seinem VW Mist von unterschiedlichen Höfen in der Umgebung, um die Proben auf ihre Kompostierbarkeit zu untersuchen. Seine Versuche mit über 150 unterschiedlichen Mistproben haben eindeutige Ergebnisse erbracht: "Alle Mistproben, die aus langjährig betriebenem biologisch-dynamischen Landbau stammen, humifizieren anstandslos". Der Mist aus einigen konventionell wirtschaftenden Betrieben ist dagegen bis heute nicht humifiziert." Somit habe er nur eine begrenzte wachstumsfördernde Funktion. Auch in Brodowin hat es ab der Umstellung des Betriebes auf biologisch-dynamischen Landbau geschlagene sieben Jahre gedauert, bis die organischen Prozesse völlig im Lot waren. Heute sei der Mist von Brodowiner Rindern bereits nach einem Jahr "reif" und könne auf die Felder gebracht werden.

Eine fachgerechte Kompostwirtschaft ist für den Demeter-Experten so wichtig, dass er am liebsten in jedem größeren landwirtschaftlichen Betrieb einen eigens dafür verantwortlichen Kompostmeister sehen würde. Die Grundlage jeder Kompostierung ist eine gute Rotteführung des Kompostes, die eine hohe Humifizierungrate des organischen Materials bewirkt. "Gesteinsmehl und hier insbesondere Basaltstaub fördern die Kompostierung zusätzlich," verrät der Graf aus seinem reichen Erfahrungswissen. Diese ertragssteigernden Wirkungen des Gesteinsmehles wurden durch seit mehr als 20 Jahren laufenden Dauerversuchen durch seit mehr als 20 Jahre laufenden Dauerversuchen in der Schweiz wissenschaftlich belegt.

Sehr bedeutend für eine Steigerung der Bodenfruchtbarkeit sind mehrjährige Fruchtfolgen: "Besonders Kleegras und Luzerne mit ihrer großen Wurzelmasse sind unverzichtbar für fruchtbare Böden. Diese Pflanzen können am besten von Wiederkäuern verwertet werden." Doch viele Betriebe betreiben heute ausschließlich Pflanzenbau. Kleegras und Luzerne werden hier nicht angebaut, da sie nicht sinnvoll verwertet werden können. Mit fatalen Folgen: Falsch bewirtschaftete und herkömmlich wirtschaftende Betriebe ohne Viehhaltung "übertragen das Kapital ihres Bodens auf ihr Bankkonto", zitiert er den renommierten britischen Agronomen Albert Howard. Diese Landwirte vermindern langfristig die Bodenfruchtbarkeit und erhalten dafür kurzfristig Geld.

Präparate und Planeten

Um dauerhaft hohe Erträge von gesunden Böden zu gewährleisten, beachten Demeter-Landwirte weitere Aspekte. Ein noch immer vielbelächeltes Thema bildet der Einfluss der Mond- und Planetenkonstellationen auf das Pflanzenwachstum. "Gerade zur Konstellationsforschung ist bereits viel Unsinn geschrieben worden. Wer allerdings heute noch behauptet, das sei Humbug, der irrt." Lange Jahre hat von Finkenstein mit Maria Thun gearbeitet. Deren seit 1963 jährlich neu erscheinender Kalender benennt in Abhängigkeit von Mond- und Planetenkonstellationen geeignete Aussaattage für die verschiedenen Kulturpflanzen. Längst, so der Graf, seien diese ertragsbestimmenden Wirkungen der Mond- und Planetenkonstellationen durch Diplomarbeiten wissenschaftlich belegt.

Abschließend kommt von Finkenstein auf das scheinbar geheimnisumwittertste Thema des ökologischen Landbaus, die Präparate zu sprechen. "Oft stoßen Menschen bei Präparaten an psychologische Grenzen", weiß er um dieses Phänomen. Für viele Unbeteiligte stünden Präparate gar im Ruch von Zauberei. Warum eigentlich? Die Rezepturen der Präparate können heute in zahlreichen Fachbüchern nachgelesen werden. Für ihre Herstellung werden Heilkräuter wie Brennessel, Kamille, Löwenzahn, Baldrian oder Schafgarbe sowie tierische Organe, Eichenrinde, Mist oder Quarz verwendet. "Präparate unterstützen bei sachgemäßer Anwendung die Lebensprozesse im Boden und fördern die Humusbildung sowie die Widerstandskraft der Kulturpflanzen gegenüber Schädlingen", ist der Graf von deren Wirksamkeit überzeugt. Präparate mit Heilkräutern rührt von Finkenstein in großen Holzfässern an. Auch hier berücksichtigt er die Mond- und Planetenkonstellationen. Nach ihrer Reifezeit werden die Präparate zusammen mit dem Stallmist oder über Feldspritzen in homöopathisch kleinen Mengen auf den Äckern verteilt.

Für die Herstellung anderer Präparate sind Kuhhörner nötig. Die mit Mist gefüllten Hörner werden zwischen Herbst und Frühjahr im Boden gelagert. In andere Hörner kommt Quarzstaub, der mit Wasser angerührt wurde. Auch diese Präparate reifen im Boden, allerdings vom Frühjahr bis zum Herbst. Auf die geringe Menge der ausgebrachten Präparate angesprochen, zieht von Finkenstein die Radioaktivität als Vergleich heran. Sie zeige ja deutlich, dass die Menge eine untergeordnete Rolle spielen könne. "Die Wirksamkeit der Prärarate hängt ab vom Zeitpunkt der Ausbringung, der Herstellung und dem Humifizierungsgrad der organischen Bodensubstanz." Mit einer wesentlichen Einschränkung: "Toter Boden reagiert nicht auf den Kosmos."

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veröffentlicht im Berlin-Brandenburger naturmagazin 1/2002

Copyright Roland Schulz