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Das Sterben der Förster

- Universität Freiburg reagiert mit zeitgemäßem Studienangebot -

Die Förster sind auf dem staatlichen Abstellgleis gelandet. In diesem Jahr bildet Baden-Württemberg erstmals keine neuen Forstreferendare aus und liegt damit im bundesweiten Trend. Bis 2011 will das Land maximal zwei Diplom-Forstwirte pro Jahr einstellen. Trotzdem ist das Forststudium in Freiburg begehrt.

Der grünberockte Förster vom Silberwald ist tot. Spätestens seit der Verwaltungsreform 2005 ist dieser Beruf auch in Baden-Württemberg akut vom Aussterben bedroht. Bis dato weitgehend selbstäFoerster begutachten Verjuengung ndige Forstämter wurden Landratsämtern angegliedert. Ein Beitrag zur geforderten "Effizienzrendite" der Reform, die 20 Prozent der Verwaltungskosten einsparen muss. Zudem bietet das Land Diplom-Forstwirten in diesem Jahr erstmals keine zweijährige Folgeausbildung an. Bis 1995 wurden jährlich 48 Referendare eingestellt. Zuletzt waren es immerhin noch 10. Ministerialrat Rainer Kwasnitschka vom Stuttgarter Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum begründet diesen Wandel mit einer Umstellung der Ausbildung sowie dem mangelnden Interesse der Studenten. Stirbt mit dem traditionellen Förster nun auch die Forstwirtschaft?

Der Förster ist tot - Es lebe der Ökosystemmanager

Professor Siegfried Fink, Studiendekan an der Forstlichen Fakultät Freiburg, ist vom Gegenteil überzeugt. Unverbesserlicher Berufsoptimist? Wohl kaum: "Energie aus nachwachsenden Rohstoffen wird mit den steigenden Ölpreisen täglich aktueller." Trotz miserabler Einstellungsaussichten in den öffentlichen Dienst empfiehlt er seine Fakultät wärmstens: "Das ist ein faszinierendes breit angelegtes Studium mit naturwissenschaftlichen, technischen und geisteswissenschaftlichen Komponenten." Diese Meinung teilen jährlich rund 100 neue Forststudenten, die in Freiburg jeweils unter etwa 250 Bewerbern ausgewählt werden. "Wir verstehen uns heute als sehr flexible Ökosystemmanager, die später weltweit tätig sein können. Das Lehrangebot ist absolut zeitgemäß. An zahlreichen Partnerunis im Ausland können wir unser Wissen vertiefen," ist Maja Jacov nach sechs Semestern Forststudium überzeugt, das richtige Fach zu studieren.

Studiendekan Fink präzisiert seinen Optimismus: "Gerade im internationalen Bereich spielen Waldfragen eine immer bedeutendere Rolle. Hier finden Absolventen bei der Weltbank, in der Entwicklungshilfe oder als technische Experten Beschäftigung." Zudem erschlössen sich Forstwissenschaftler im eigenen Land ständig neue Berufszweige: In der Landschaftspflege, im Umweltbereich.

Doch qualitativ gut und zukunftsfähig muss zunächst das Studium selbst sein. Ist die Forstliche Fakultät in Freiburg, die mehr als zwei Jahrhunderte lang brav Staatsdiener für den gehobenen Staatsdienst ausgebildet hat, bereits in der Zukunft angekommen? Für den Studiendekan keine Frage: "Wir haben die Lehrinhalte ständig an die aktuellen Herausforderungen angepasst." So hat gerade im abgelaufenen Wintersemester die Forstfakultät vom altväterlichen Diplom auf die international anerkannten Abschlüsse Bachelor und Master umgestellt.

Spezialkenntnisse für den Arbeitsmarkt

Die Namen der neuen Studiengänge: "Waldwirtschaft und Umwelt" sowie "Forests, Ecology und Management". Nach einer sehr fundierten Grundausbildung können sich Studenten jetzt ab dem zweiten Semester spezialisieren. So in den Bereichen Holzwirtschaft, Naturschutz, Landschaftsplanung, in klassischer Forstwirtschaft oder Fernerkundung. Und: "Wer gelernt hat, Satellitenbilder vom Wald auszuwerten, kann diese Kenntnisse auch bei anderen Fragestellungen anwenden." Diesen Spezialkenntnissen verdanken die angehenden Ökosystemmanager ihre Konkurrenzfähigkeit mit Geoökologen, Landschaftsplanern, Holzwirtschaftlern oder Biologen um freie Stellen.

Dem Schlüssel zum Erfolg gibt Fink einen Namen: Eigeninitiative! "Auslandsaufenthalte und bei Praktika geknüpfte Kontakte verbessern die Berufsaussichten erheblich."

Der 33-jährige Diplom-Forstwirt Roland Hartz, Pressesprecher am Regierungspräsidium Tübingen, kann dies bestätigen: "Im Laufe meiner Ausbildung bin ich viel herumgekommen, konnte Kontakte knüpfen und vielfältiges Praxiswissen erwerben."

Damit steht er gerne in der Jahrhunderte langen Tradition seiner grünberockten forstlichen Vorgänger, die maßgeblich dazu beigetragen hätten, "dass Deutschland heute die höchsten Holzvorräte in Europa besitzt."


veröffentlicht in Südwestpresse 18. Mai 2006

Copyright Roland Schulz