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Ströbel, der Schmied

Ein Buch über das Leben im alten Dorf hätte es werden sollen. Wie das Leben so spielt, kam alles ganz anders. Doch eins ist entstanden und bleibt für mich immer lebendig: Die wahre Geschichte vom Eisenmann Karl Ströbel.

1. Das alte Dorf: Handwerker und Bauern

Über Jahrhunderte bildete das alte Dorf eine Schicksalsgemeinschaft aus Landwirten und Handwerkern. Weitgehend unabhängig von der Aussenwelt wurden Gegenstände und Materialien des täglichen Lebens selbst hergestellt.

Nach dem 2. Weltkrieg nahm der Wandel im Dorf zusehends Fahrt auf. Diese früher unzerbrüchliche Schicksalsgemeinschaft bekam zunächst kaum merklich Risse. Auch Karl Ströbel passte sich dem Wandel an. „Nach 1948 hewwe wir zusätzlich Landmaschine repariert. Mei Vadder wor scho immers fiers fordschriddliche. Des hemmer beibhalte.“ 1951 hat er seine Meisterprüfung abgelegt. Damals arbeiteten in Blaufelden zwei Landmaschinenmechaniker und drei Schmiede. „Es hat jeder seine Arbeit gehabt.“ Noch.

2. Der Schmied Karl Ströbel aus Blaufelden

Die Frage, wie lange er denn schon als Schmied arbeite, beantwortet Karl Ströbel mit einem kurzen Blick aus wachen Augen, begleitet von einem einem kaum merklichen Schmunzeln: "Mei Leebedooch lang." Dann gilt seine ungebrochene Aufmerksamkeit wieder dem glühendem Eisen, das er auf dem Amboss der Gröninger Hammerschmiede unter präzisen Schlägen in die gewünschte Form treibt. Im Januar 2006 hat er in seinem Geburtshaus in Blaufelden seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert. Gelegentlich nutzt Ströbel die angebaute Schmiede, ein authentisches Handwerksmuseum. Hier hat Karl Sröbel vor 66 Jahren das Schmiedehandwerk gelernt.

Heute wie damals ist der Blaufeldener Schmied mit Leib und Seele. Dass er nichts von der alten Kunst verlernt hat, zeigt er immer wieder beim Schauschmieden in der Hammerschmiede. Es ist ein besonderes Band, dass ihn mit diesem abgelegenen Ort an der Gronach verbindet: 10 Jahre durfte er hier im Gronachtal mit seiner Familie leben. Von 1982 bis 1992. Glückliche Jahre waren es.

Die frische Waldluft sollte sich schon bald als Segen für seine von der heißen Schmiedeluft geschundene Lunge erweisen. Die Bewirtung der Gäste, von Wanderern und am alten Handwerk Interessierten, oblag seiner Frau Hedwig. Ihre kräftigen Hausmachervesper und die herzliche Gastfreundschaft bilden noch immer Gesprächsstoff.

Bis heute ist dieser Ort seine zweite Heimat. Gerne feuert Karl Ströbel die Esse in der dunklen Hammerschmiede an und freut sich über jeden staunenden Besucher. Im der Esse glühen unterschiedliche Roheisenstücke in allen Feuerfarben: Vom gleißenden weißgelb bis zum dunkel leuchtenden Rot. Jedes Eisenstück von einer Zange gehalten, mit denen Ströbel die Eisen behende wendet und auf ihre Schmiedbarkeit prüft. „Viele Eisen im Feuer haben“, stamme aus der Schmiede, weiß Ströbel. „Das war durch den Arbeitsablauf bedingt. Dass die Produkte fließend durchlaufen“. Aus den hellgelb glühenden Eisenstücken entstehen im funkenschlagenden Hämmern Obstschüttelhaken, Gartenhacken oder handgeschmiedete Äxte. Im Licht des Zeitzeugen wird Verblichenes belebt: „In der Hammerschmiede ist der Schmied nicht aufgestanden. Er ist sitzen geblieben, hat sich mit einer Zange immer „warme“ Eisen geben lassen. Es waren immer zwei Feuerschmiede tätig und zwei Hammerschmiede.“

Hier gilt er noch, der Spruch, der mit weißer Kreide auf dem breiten Kaminsims über dem lodernden Schmiedefeuer steht: "Der Gott, der Eisen wachsen ließ, schuf auch die Eisenmänner. Drum Herr, behüte überdies, den Amboss und die Hämmer." Und Schmiede wie den Karl Ströbel, füge ich gedanklich hinzu.

Die Verbindung zur Hammerschmiede ist alt. Schon als Kind habe ihn sein Vater mit dem Rad von Blaufelden ins Gronachtal geschickt, um Spaten zu holen. Ströbel selbst fühlt sich diesem Ort verpflichtet: „Die Hammerschmiede soll weiterleben. Solange ich gesund bleibe, halte ich dieses Versprechen.“ Da lässt er schon einmal einen Dreijährigen das glühende Eisen mit dem Hammer bearbeiten. „Beim Schauschmieden ist noch nie etwas passiert. Nur einmal ist eine Hose angebrannt.“

Oder er drückt zwei Zuschauern schwere Schmiedehämmer in die Hände und lädt zu einem "Dreispänner" ein. Im hell klingenden Stakkatorhythmus wird die vergängliche Hitze des Eisens durch den Schlag dreier Hämmer so intensiv wie möglich genutzt, „solange es heiß ist.“ Wer ihn hier, im sauberen Arbeitsdrillich und Pudelmütze einmal erlebt, spürt sofort: Ströbel liebt, was er tut.

Und wenn er am Amboss steht, erwacht das alte Feuer. Die 80 möchte man ihm nicht glauben. Und doch hat er den vollständigen Wandel im Schmiedehandwerk, von den Sensen über einfache Erntemaschinen bis hin zum Landmaschinenmechaniker erlebt. Untrennbar mit diesem Leben verbunden sind die typischen Berufskrankheiten: „Kräftemäßig war es ein harter Beruf. Mit der Schmiederei hat man sich häufig über Splitter oder fliegende Funken die Augen verletzt oder wegen der Hitze und dem Dämmerlicht schlechte Augen gekriegt.“ Und unter dem ständigen Lärm leiden auch die Ohren.

Kein Grund also für falsche Romantik. Hedwig Ströbel ist überzeugt: „Heute würde ich es anders machen, nicht nur Arbeiten.“ Ein kurzes Verweilen, ein Blick in die Vergangenheit, fast ein wenig ungläubig, mag es scheinen: „Und mit lauter Arbeit sin mer zsamme 80 worre"

3. Tageslauf

Spätestens um 6.00 Uhr am Morgen erwachte die Schmiede im alten Dorf zum Leben. Ob Winter oder Sommer. In der Esse wurde Feuer gemacht. „Es galt ein ungeschriebenes Gesetz: Um 7.00 Uhr ist das warme Eisen auf dem Amboss,“ erinnert sich der 80-jährige Blaufeldener mit den lebendigen Augen.

Früher musste man Licht sparen. Elektrizität war teuer und mit Erdöl betriebene Sturmlaternen konnten Brände entfachen. Zudem galt: "Im Dämmer hat man besser als im Licht gesehen, wenn das Eisen heiß war.“

Die Arbeitstage waren durchs ganze Jahr über ausgefüllt. Selten war vor 20 Uhr Schluss.

Uhren waren in der Schmiede überflüssig: Fünf Mahlzeiten unterteilten den Tag. Vor sieben gab es Kaffee, um neun war Vesper und um zwölf eine Stunde „Middoch“, um dreie Nachmittagsvesper und um sechse oder siebene, je nachdem, wie viel Arbeit war, Nachtessen. "Früher war jeder froh, wenn er einen Platz gehabt hat,“ erinnert sich Hedwig Ströbel: Ein Dach über dem Kopf und ausreichend zu essen. Zum Frühstück gab es Weißbrot, Malzkaffee, Milch und Gsälz. Zum Vesper selbst gebackenes Brot, Butter, Gsälz und Käse. Am Mittag kam Fleisch auf den Tisch und zum Nachmittagsvesper um drei Wurst und Brot. Das Nachtessen bescherte Reste vom Mittag, Wurst und Brot. Dann war Feierabend. Manchmal wenigstens: „Mit einem benachbarten Bauer habe ich mich dann Abends noch auf ein Bänkle unter eine Linde gesetzt. Der hat noch Zeit gehabt. Die hatten auch Knechte und Mägde. Heute sind sie allein.“

Doch häufig musste der abendliche Plausch ausfallen, rief die Pflicht: „Wo heutige Arbeiter Feierabend machen, ist es für mich und meinen Vater nochmal richtig losgegangen. Auch wenn nachmittags einmal Ruhe war, haben wir vorgearbeitet. Wir haben gemeinsam Beschläge, Bindeglieder, Federn, Wagenscheidle und Ähnliches gemacht. Oft bis um 20 Uhr oder länger.“

Eine zentrale Funktion oblag der Schiefertafel in der Werkstatt: „Da hatten wir die kleine Buchhaltung. Dort hat jeder Gesell und einfach jeder draufgeschrieben, was er für einen Auftrag geschafft und was er an Material gebraucht hat. Das haben wir auch abends abgeschrieben. Später haben wir dafür Karteikarten genommen. Anfangs waren das die Rückseiten von Kalenderblätter. Jaja, so haben wir gespart.“ Kopfschütteln. „Sundoochs haben wir Rechnungen geschrieben. Zuvor war der Kirchgang, dass man neue Kraft kriegt hat,“ vermittelt Ströbel noch heute Dank für diese ruhige Stunde. Kein Wunder: „Selbst nach der Kirche sind noch Bauern gekommen und haben gesagt, was sie auf dem Herzen hatten,“ spricht Hedwig Ströbel. Doch gelegentlich gab es Rettung „Wo die Sonntagsarbeit überhand genommen hat, haben wir uns auch manchmal verzogen, damit man wenigstens ein paar Stund in der Woche einmal Ruhe hat. Da sind wir mit den Kindern ins Baden.“


4. Produkte

Werkzeug für die alte Schmiede wurden weitgehend selbst hergestellt. Noch immer scheinen unzählige Eisenzangen in allen Größen an der Wand hängend auf ihren Einsatz zu warten. Hat das Eisen die richtige Temperatur, wird es von der Zange gehalten auf dem Amboss geschmiedet, solange es heiß ist: „Gutes Kohlenmaterial“ sei Voraussetzung für hohe Temperatur. "Fett nuss 3“, so lautet die Bezeichnung für eine ölreiche schwefelarme Kohle, lieferte diese hohen Temperaturen. „Richtig Schmieden kann man nur bei 800-1200 Grad.“ Dann blitzt er kurz auf, alter Handwerkerstolz: „Mir henn noch glernt, aus nix was rauszuschmiede.“

„Normal ST 37 Eisen“, so lautete der Fachbegriff für damals gebräuchlichen Schmiedestahl. Grundstoff für eine weite Poduktpalette: „Vom Nachttopf bis zur Lokomotive haben wir alles gemacht. Später haben wir viel für die Bahn geschafft. Wegen der Bahnstation Blaufelden, alles, wies kumme is. Das hat mich auch jung gehalten. Wenn man so mit dem Beruf verbunden ist, geht das. Man muss nur aufpassen, wenn es zuviel wird, muss man bremsen. Bis daher kenn mer dankbar sei, dass mer so gsund hewwe bleibe derfe. Von der zufriedenen Kundschaft simmer belohnt worre.“ Ob Ströbel tatsächlich immer rechtzeitig gebremst haben mag?

Mit den um 1950 aufkommenden Landmaschinen verlängerte sich der Tageslauf: „Von 5 Uhr morgends an hewwe mr Melkmaschine repariert bis Abends, wenn die letzte Melkmaschine aus war.“

Der rüstige Grauhaarige erzählt von handgeschmiedeten Eggen und Pflügen, die es zu reparieren galt, scharfen Hacken für die Feldarbeit, Bremsschuhen für Wagen oder Eisenbeschlägen für die Holzräder. Pflüge wurden repariert, geschärft und umgebaut. „Zwei-Scharpflüge haben wir selbst hergstellt. Zudem Gartenzäune, eiserne Rechen, Gartenhäckle. Als die Mähwerke aufgekommen sind, haben wir einen Messerbalkenrichtbock und alles zum Einrichten gehabt. Tür- und Scheunentorbeschläge wurden im Winter auf Vorrat gemacht. Der Winter war auch die Zeit für „Holzfällermaterial“: Keile und Beile wurden geschmiedet.

Noch immer erinnert der eiserne Ring in der Hauswand an die zahllosen Zugtiere, die hier angebunden auf maßgeschmiedete Hufeisen warteten. „Mir hewwe Gail beschlooche und manchmal auch Zugochsen mit Eisele. Von Emmertsbühl ist ein Bauer mit einem Ochsen bis nach Langenburg ins ein Holz gezogen. Mir hatten selber Kühe zum Pflügen. Die brauchten keine Eisen., sie hatten durch richtiges Schneiden "stabile Schuhe", scharfe Hufe.

„Viel Arbeit haben wir mit Heuwägen gehabt. Dann sind die Feldhäcksler gekommen. Damals haben wir Rohrwagen mit Draht bespannt. Die Idee hat bei den Bauern eingeschlagen.“

Zum vergangenen Alltag gehörte das Wechseln eiserner Wagenradreifen. „Jeder hat Angst gehabt, dass die Reifen auch alle passen und das man keinen verwechselt. Wenn der Reifen durchgeschliffen war, haben wir 65 x 12 Millimeter Radreifen abgerollt, grob die Länge gemessen und den Anteil abgezogen, der sich im Feuer noch gedehnt hat. Das Eisen haben wir dann im Schmiedefeuer geschweißt, überlappt und mit einem Nagel oder einer Radschraube genagelt. Bauern, die neue Reifen zum Abwickeln gehabt haben, haben eine Reisig-Welle oder ein paar Scheit Holz spendiert zum Warmmachen.“

Anschließend wurde das Eisen im Feuer geschweißt, bis es geschmolzen ist. „Danach haben wir den Reifen feingemessen. Wenn es gut geklappt hat, hat er gepaßt. Wenn nicht, kam er auf die Stauchmaschine. 10 Zentimeter glühend gemacht und mit Kralle und Handrad das glühende Stück zusammengedrückt. Unter zwei Hämmern haben wir dann den Bauch platt gedrückt. Wenn es zuviel war, haben wir den Reifen wieder strecken müssen. Aber meistens hat es geklappt. Beim Aufziehen des Reifens auf den Holzkranz haben wir mit einem Holz so lange draufgeschlagen, bis er gepasst hat. Dabei ist dann auch mal ein ganzer Speichenkranz durchgebrochen. Das war schlimm.“


5. Die große Schmiedsfamilie

Eine Schicksalsgemeinschaft bildete die Familie und ihre Mitarbeiter: „Meist haben wir drei feste Gesellen und einen Lehrbub gehabt. Damals hatte man alle Gesellen in Kost und Logis. Dass sie morgens auch immer da waren!“

Wenn ein Geselle gut war, hat er vom Bauer auch mal ein Trinkgeld bekommen oder ist zu einem Bier in die Wirtschaft eingeladen worden. „Das war schön, man hat sich gefreut, das war eine Bestätigung, dass der Bauer zufrieden war.“ Gefährlich konnte es werden, wenn ein fähiger Geselle dem Alkohol zugetan war. „Unsere Gesellen sind meist zwischen 6 und 10 Jahren bei uns gewesen. Nicht wie in der Landwirtschaft, wo oft an Lichtmess die Bauernhöfe gewechselt wurden.“ Samstags haben Gesellen ganz normal bis Mittag geschafft. Wenn sie dann heimgefahren sind, hatten sie auch mal bälder Schluss. Je nachdem, wo sie gewohnt haben. Einer kam aus Rothenburg, einer sogar bis Sinsheim.“

Die Frau hat die Kinder großgezogen, den Haushalt für Familie und Gesellen geführt, den Garten gemacht und in der Landwirtschaft gearbeitet. Und: Wenn in der Werkstatt jemand zum Heben oder Reifen aufziehen gebraucht wurde, hieß es: "Hedwig, komm und hilf. Auch wenn ich gerade gekocht habe, bin ich runter und habe geholfen."

Einige persönliche Bande haben die Jahrzehnte überdauert: „Neulich hatten wir ganz überraschenden Besuch von einem früheren Lehrling. Das war schön. Da haben wir uns erinnert, dass man bei ihm früher Holz auf den Boden legen musste, dass er auf dem Amboss mitarbeiten konnte. Mit 14 kam man damals aus der Schule und in den Beruf“

Auch Ströbel war 14, als er die Lehre begann. Doch in der Schmiede geholfen hat er von Kindesbeinen an. „Des Schmiede hat mir scho immer Spaß gmacht.“ Über den 250 Kilogramm schweren Amboss und den rindsledernen Blasebalg weiß der rüstige Schmied so manche Geschichte zu erzählen. Als kleiner „Bua“ schon habe er den mächtigen Blasebalg betätigt. Dabei hätten sie auch so manchen Unsinn gemacht, so mit heißem Eisen Löcher ins Rindsleder geglüht. Seit 1832, so stehts geritzt im Querholz des Blasebalgs, bläst er die Luft für die „richtige“ Feuersglut aus seinem holzgeschnitzten Drachenkopf. Daneben ins Holz geschnitten J.M., die Initialen für Johann Maier. Sie stehen für einen Vorfahren Karl Ströbels in der alten Schmiedefamilie. Einmal die Woche, erinnert sich der Schmied,. habe man das Rindsleder des Balges mit Lederfett eingeschmiert.

6. Handwerker und Landwirt

Viele Handwerker, Schmiede, Schuster, Wagner, mussten "nebenbei" noch eine kleine Landwirtschaft betreiben, die sie ernährte. Auch Familie Ströbel bewirtschaftete sechs Hektar Land. Im Stall standen vier Milchkühe, vier Kälber, vier Schweine. „Zwei Säue zum Verkauf, zwei zum Schlachten.“

Die kleine Landwirtschaft nebenbei, das hieß Mehrbelastung: "Morgens mussten wir früh raus, zum Mähen. Dass man daheim war, wenn andere das Geschäft angefangen haben. Einmal war ich frühmorgens um halb vier auf dem Burgstall mähen. Im Gras war noch Reif," hat sich dieser Morgen tief eingeprägt.

Und die zusätzlichen Mühen zur Erntezeit: „Wenn Heu oder die Frucht eingefahren wurden, mussten wir nachts nach der Arbeit abladen. Dabei hat die ganze Familie geholfen. Das spärliche Licht von einer Sturmlaterne, oben am Scheuerebalke an einem Sicherheitshaken hängend, musste ausreichen. Das war gefährlich, das darf man heute gar nicht mehr erzählen.“

7. Jahreslauf

Urlaub gab es nur für die Gesellen, nicht für die Meisterfamilie: „Im ganzen Jahr gab es keine Lücke, es gab immer Gschäft. Im Herbst, wenn die Frucht eingefahren war und d`Ebeere drauße, haben wir neue Wagen vorbereitet und Beschläge. Das kannn man sich heute nicht vorstellen.“

Die Arbeitsspitzen wurden von der Landwirtschaft diktiert. „Über die Ernte und beim Heumachen und im Herbst, wenn die Pflugscharen gedengelt wurden, ging es rund.“

Der Schmiedeanbau an sein Elternhaus birgt unzählige Zeugen dieser verblassenden Vergangenheit. Aus der Außenwand ragt in mehr als 2 Metern Höhe ein langer schwach gebogener Eisenhaken. „Abends in der Ernte haben die Bauern ihre Sensen an diesen Haken gehängt und am Morgen in aller Frühe haben sie die gedengelten Sensen wieder abgeholt“, gab die Feldarbeit den Rhythmus vor. Abends von Wittenweiler kamen immer ganze Bündel. Damals hatte man immer Reserve dabei. Nein, Verwechslungen der Sensen gab es keine! „Auf jedem Sensenstiel waren Initialen eingekerbt und ein paar Verzierungen angebracht, dass es nicht so stur war.“

Zu Neujahr winkte der so dringend ersehnte jährliche Geldsegen. „Auf Weihnachten haben wir die Jahresrechnungen geschrieben. Fürs ganze Jahr. Aber dazwischen hatten wir wenigstens Milchgeld und Verkaufsgeld von der Frucht. Man hat die Zeit überbrückt und sparen müssen. So war das beim Schuster, beim Stellmacher, beim Wagner, überall.“ An Weihnachten hat man erst gemerkt, was man umgesetzt hat. An der Jahresrechnung haben wir vom Bauer kein Trinkgeld bekommen.“

Ganz früher hat ein armer Bauer, ein Kleinköbler, sein Sensendengelgeld sogar noch schöffelweise mit Hühnerfutter bezahlt. Das war noch so, wo ich angefangen habe.

8. Schluss

Ein Leben als Schmied: „Wenn man den Schmiedeberuf gelernt hat, kann man alles mit anfangen, man kann ein Handwerk, kann Geländer machen, Haken, alles.“ Auch schlimme Zeiten hat Ströbel erlebt: „Zwischen 1930 und 38 sind manchmal 10 junge Schmiedsgeselle am Dooch kumme. Ganz selten haben wir wandernde Gesellen aufgenommen und beschäftigt. Meist haben sie ein Mittagessen und ein Vesper bekommen und sind dann weiter gezogen.“ „S´ hat wehdoane, wenn mr d Leit hat wieder fortschicke misse. Un heit werds wieder so.“


Copyright Roland Schulz 2006.