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Rätsel um Hohenloher Neidköpfe

Haben einige der uralten Steinfratzen Aufgaben, die über die Abwehr bedrohlicher Dämonen hinausgehen?

Mit Prunksitzungen, Umzügen und fröhlichen Feiern treibt die heurige Fasnacht wieder ausgelassen ihrem Höhepunkt entgegen. Masken, deren Ursprung in heidnischer Zeit liegt, sollen an der Schwelle zum Frühjahr böse Dämonen verjagen. Der Dämonenabwehr dienten ursprünglich auch einige der hohenlohischen Neidköpfe. Doch längst sind nicht all ihre Rätsel gelöst.

Neidköpfe sind so sehr in Vergessenheit geraten, dass selbst Anfragen im Kreis- und Landesdenkmalamt zunächst auf ungläubiges Staunen stoßenneidkopf quellgott kelten. Es gibt sie aber. Möglicherweise schon seit grauen Vorzeiten. In allen Teilen Deutschlands blicken sie noch vereinzelt von alten Häusern: in Holzbalken geschnitzte oder in Stein gehauene Dämonen. In den nach Osten weisenden Aussenwänden einiger hohenlohischer Dorfkirchen sowie in Türmen mittelalterlicher Stadtbefestigungen haben diese uralten Abwehrdämonen die Jahrhunderte überdauert. Doch um die Herkunft dieser Köpfe ranken sich noch viele ungeklärte Rätsel.

Ihr Name stammt vom althochdeutschen Begriff Nid, der Haß, Zorn und Neid bedeutet. Die Aufgaben dieser Neidköpfe, mit ähnlichen Fratzen wurden traditionell am Faschingsdienstag die Wintergeister vertrieben, sind klar: Der starre Blick soll die Bewohner vor Neid, schlechten Wünschen und Geistern bewahren.

Ein besonders eindrucksvolles Exemplar kann noch heute an der Sankt-Wendelins-Kapelle im bei Gerabronn gelegenen Rückershagen bewundert werden. Die aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts stammende Kapelle soll auf einem keltischen Quellheiligtum errichtet worden sein, um vom Sieg des Christentums über heidnischen Kult zu künden. Noch heute speist das Quellwasser unterhalb der Kapelle einige Brunnentröge.

Und so plausibel die Abwehrfunktion auch klingen mag, bleibt noch jede Menge Raum für Mutmaßungen. So kann sich Dr. Gustav Schöck, Leiter der Landesstelle für Volkskunde in Stuttgart zwar eine Dämonenabwehr vorstellen. Plausibler ist für ihn allerdings, das diese Neidköpfe an und in Kirchen Untiere und Versuchungen darstellen, die auf dem Weg ins Paradies lauern.

Im nur wenige Kilometer entfernten Beimbach starrt ein runder Kopf mit fliehender Stirn, über ein Turmsims der Bartholomäuskirche nach Osten. Mit seinem weit geöffnetem Mund und beinahe schon entrücktem Blick bietet er ein für heutige Augen ungewohnten Anblick. Aber ob es sich dabei um einen Dämonen handelt?


Spuren führen zu Kelten

Ein interessanter Hinweis stammt vom Hohenloher Heimatforscher Herbert Schüßler. Schon vor Jahren hat er in seinen Büchern auf die Häufung keltischer Zeugnisse im Raum um Bügenstegen und Rückershagen hingewiesen: "Kaum einer der Gäste (der nahegelegenen Brettachstube und Lauramühle) dürfte wissen, dass das ihn umgebende Gebiet uraltes vorschristliches Kulturland ist, ja dass wohl in Deutschland nicht oft eine derartige Konzentration keltischer Anlagen und Kultstätten vorhanden ist."

Eine neue Spur? Waren Kelten, wie von Schüßler erwogen, die vergessenen Schöpfer der Steinfratzen? Von diesem geheimnisvollen Volk ist überliefert, dass sie Salzhandel betrieben und Quellen als heilige Orte achteten. Und: Nur wenige hundert Meter von Beimbach entfernt sickerten Salzquellen.

Eine Festschrift zum 500-jährigen Jubiläum der Beimbacher Kirche aus dem Jahr 1999 nährt denneidkopf ueber altem quellheiligtum Verdacht: Sie beschreibt den "Neidkopf" an der Bartholomäuskirche als heidnischen Quellengott, der zur Salzquelle im Brettachtal gehört haben soll. Durch das Einmauern in die Kirchenwand könnte auch hier, wie in Rückershagen, ein Zeichen gesetzt worden sein, dass die Kirche mächtiger ist als die alten Götzen.

Verblüffende Parallelen zum geschichsträchtigen Gebiet um Beimbach und Rückershagen bietet Kirchberg an der Jagst. Hier soll ein Neidkopf von der Turmaussenwand der alten Kirchberger Stadtmauer starren. Auch hier gibt es alte Salzquellen wie den "Sauerbrunnen". Auch Kirchberg war einst Standort eines keltischen Heiligtums.

So bleibt die bislang ungelöste Frage, ob der Ursprung der geheimnisumwitterten hohenlohischen Neidköpfe nicht bereits in der Keltenzeit gelegen haben könnte. Und ob ihre Funktionen nicht weit über die reiner Abwehrdämonen, wie sie jedes Jahr der Fasching auferstehen läßt, hinausgehen.