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Im Reich der bunten Gaukler

- Europas größte Schmetterlingsfarm beherbergt bis zu 3000 Falter-

Wer gefahrlose Dschungelabenteuer am Ostseestrand sucht, kommt an Europas größter Schmetterlingsfarm auf der Insel Usedom kaum vorbei. Seit Juni 2005 umflattern in einer ehemaligen Tennishalle farbenprächtige tropische Schönheiten die Köpfe der Besucher.

Über den Bahnhofsvorplatz des Usedomer Seebades Trassenheide bläst ein eisiger Januarwind, der durch Mark und Bein geht. Doch nur wenige Schritte weiter öffnet sich frierenden Besuchern ein troBananenfalter auf Usedompisches Paradies. Sobald sich die Tür in die rund 2600 Quadratmeter messende Freiflughalle der Schmetterlingsfarm Trassenheide hinter den Neuankömmlingen geschlossen hat, beginnt bei Temperaturen um 29 Grad die abenteuerliche Entdeckungsreise ins Reich der Schmetterlinge.

Im schwülen Tropenklima gedeihen Zitronenbäume, Kaffeesträucher und Kokospalmen ebenso prächtig wie bunt blühende Orchideen unter beinahe endlos rankenden Passionsblumen. An üppigen Bananenstauden reifen schwere grüne Fruchtbüschel. Schrille Rufe exotischer Vögel und aufgeregter Affenhorden vor dem endlos gleichförmigen Hintergrundkonzert der Zikaden machen die Dschungelillusion fast perfekt.

Kaum haben sich die wintermüden Augen an die satten Grüntöne gewöhnt, geben die bunten Gaukler auch schon ihre ersten Auftritte. Mit schwerem Flügelschlag flattert ein leuchtend hellblau schimmernder Himmelsfalter über einen Miniatursee. Zwei Meter weiter schrauben sich drei rot-schwarz-weiß gesprenkelte Passionsfalter bei ihrer wilden Verfolgungsjagd in immer enger werdenden Spiralen in Richtung lichtdurchflutetes Hallendach. Und an einer dicht über dem Boden hängenden Orangenscheibe saugen mit langen Rüsseln hingebungsvoll zwei handtellergroße Bananenfalter. Will sich ein weiterer Schmetterling an dieser süßen Quelle laben, klappen sie unwillig ihre himmelblau leuchtenden Flügel auf und signalisieren dem Störenfried: Besetzt.

Gehörnte Riesenraupen

Rasch haben die Besucher ihre speziellen Suchmuster entwickelt und bestaunen auf ihrer beschaulichen Expedition die Formenvielfalt und Farbenpracht der exotischen Falter. Mehr als 60 Arten, die auf den Philippinen, auf Malaysia oder in Südamerika heimisch sind, bevölkern laut Auskunft des Betreibers mit bis zu 3000 Exemplaren den Luftraum. Da flattern elegante schwarzweiße Ritterfalter neben gelbschwarzen Schwalbenschwänzen mit den namengebenden zentimeterlangen Flügelspornen. Da hängen große Schmetterlingspuppen scheinbar leblos an Blattunterseiten. Doch die äußerliche Ruhe täuscht. In der wochenlangen Puppenphase verwandeln sich die 10 Zentimeter und länger werdenden walzenförmigen Raupen zu voll entwickelten eleganten Faltern.

"Hier sind Riesenraupen mit Hörnern," schallt der aufgeregte Ruf eines vielleicht 8-jährigen Mädchens durch die Halle. Ein aufmerksamer Mitarbeiter der Schmetterlingsfarm kommt hinzu und erklärt dem Mädchen und ihren Eltern, dass die Raupen hier ungestört leben können. "Sie raspeln große Löcher in die Bananenblätter. Bei den tropischen Temperaturen wachsen die Pflanzen meist schneller, als die Raupen fressen können," erläutert er. Um anzufügen: "Manchmal müssen wir natürlich nachpflanzen."

Spannweite: 28 Zentimeter

"Und jetzt zeige ich dir noch den Star unserer Halle." Gespannt folgt die kleine Gruppe ihrem Führer durch das Dschungellabyrinth bis zu einem unscheinbaren Strauch. Ihre Blicke mustern das lichte Grün. Urplötzlich deutet das Mädchen dann auf eine bumerangähnliche bräunlich-rot und weiß gefleckte Gestalt und ruft: "Da, ein Riesenschmetterling". In der Tat: "Unser Atlasfalter ist gerade frisch geschlüpft und trocknet seine Flügel. Diese Art gehört mit Spannweiten von bis zu 28 Zentimetern zu den größten Schmetterlingen der Welt," erläutert der fachkundige Pfleger nicht ohne Stolz.

Schmetterlinge werden nicht alt. Nach wenigen Tagen oder Wochen haben sie Eier abgelegt und sterben. Damit immer genügend Gaukler die Freiflughalle beleben, werden Puppen unter Beachtung strenger Artenschutzrichtlinien zugekauft. In der "Puppenstube" können Besucher mit ein wenig Glück erleben, wie noch völlig zerknitterte Schmetterlinge ihre schützende Hülle durchbrechen, ihre Flügel trocknen und zum Jungfernflug in Richtung lichtdurchflutetes Dach aufsteigen. Und dies an 365 Tagen im Jahr. Ganz egal, ob draußen frostige Winterwinde wehen oder hochsommerliche Temperaturen herrschen.

Information: www.schmetterlingsfarm.de


veröffentlicht in Märkischer Oderzeitung 4./5. Februar 2006

Copyright Roland Schulz