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Beim König der Nacht


Beinahe jeder kennt den König der Nächte, den Uhu. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) hat kürzlich die größte europäische Eulenart zum Vogel des Jahres 2005 gekürt. Seit 1989 brütet diese Eule mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,8 Metern wieder im Landkreis.

Durch erbitterte Verfolgung bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts stand der Uhu wie andere Greifvogelarten auch in Deutschland kurz vor der Ausrottung. Ganz verschwunden war der lautlose Jäger allerdings über geraume Zeit in Hohenlohe.

Nachdem 1989 seituhu lebenraum schroffe trockene steinbruchwaende vielen Jahren wieder der erste sichere Brutnachweis dieses scheuen Vogels im Landkreis Hall geglückt ist, scheint es aufwärts zu gehen. "In diesem Jahr hatten wir bereits drei Brutpaare im Kreis," verkündet Fink die aktuelle Erfolgsmeldung. Dabei profitieren die nachtaktiven Greifvögel von den zahlreichen Steinbrüchen im Hohenloher Muschelkalk. Als Felsenbrüter beginnen sie bereits im März mit der Brut auf vorstehenden Absätzen oder in Nischen von Steilwänden. "Diese Brutplätze müssen allerdings trocken sein. Wände mit Eis und Wasser meiden die Uhus," erläutert der Fachmann.

Mit Sprengarbeiten arrangiert

Beinahe jeder kennt diese große Eule aus vielen Fabeln und Geschichten als klugen Vogel, der als Richter oder weiser Ratgeber auftritt. Auch sein charakteristischer namengebender Ruf, das bis zu einem Kilometer weit hallende "Schuhu", ist weitbekannt. Doch die wenigsten haben ich ihn je zu Gesicht bekommen. Das liegt zum einen an der nächtlichen Lebensart der Vögel. Darüber hinaus sind Uhus mit ihrem in allen Brauntönen gemusterten Federkleid auch tagsüber perfekt getarnt.

Ob der Uhu tatsächlich so intelligent ist, wie die Fabeln berichten, kann Lothar Fink nicht bestätigen. Allerdings weiß er von jungen Uhus, die sich nach jedem Hupton, der im Steinbruch eine Sprengung ankündigt, hinter Felsen und in Nischen versteckt haben sollen.

Die Brutplätze in Hohenlohe will er jedoch nicht verraten. Aus gutem Grund: Uhus reagieren auf Störungen am Nest sehr empfindlich. Das kann bis zur Aufgabe der Brut führen, die aus einem oder zwei, in seltenen Ausnahmen auch drei Jungvögeln besteht.

Die Prognose des Eulenspezialisten für die weitere Entwicklung der Uhubestände im Landkreis klingt verhalten optimistisch. "Wenn die trockenen Steilwände stillgelegter Steinbrüche nicht mehr verfüllt werden, behält der Uhu seine Brutplätze." Das Nahrungsangebot ist ausreichend. Als sogenannter Generalist, seine Beute reicht von Ratten über Vögel bis hin zu Feldhasen, muss er in normalen Jahren keinen Hunger leiden. Und vor direkter Verfolgung ist er durch das Naturschutzgesetz längst streng geschützt. Rosige Zeiten also für den Uhu, wenn der Mensch die Lebensbedingungen für diesen großen Vogel mit Bedacht erhält.


veröffentlicht im Haller Tagblatt im November 2004

Copyright Roland Schulz