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""Wir sind die Welt"

- Zwei junge Frauen spielen gegen die Klimakatastrophe -

"Wir sind die Welt, wir sind die Welt", trällert ein vielleicht achtjähriges Mädchen fröhlich springend über den Schulhof. Die Welt? Hier, in Lenzen, dem ältesten Städtchen der Prignitz? In der "Gijsels van Lier - Grundschule", die ausgerechnet im seit Jahrzehnten stillgelegten Bahnhofsgebäude eingerichtet wurde. Hier ist der letzte Zug doch längst abgefahren!


Stimmt. Genau genommen vor 30 Minuten, als mehr als 70 Grundschüler das Theaterstück "Wir sind die Welt - Die Zukunft beginnt jetzt" mit reichem Beifall bedachten. Was haben sie auf ihrer rasanten Reise durch reale, virtuelle und märchenhafte Welten nicht alles erlebt. Verspielte Regentropfen, die sich nur vor Beton und Asphalt fürchten. Riesige Regenwälder und grüne Pflanzen, die unermüdlich "schlechte Luft fressen" und gute Luft liefern. Das Zauberwort "Photosynthese" wird experimentell begreifbar, zum Glück der Mäuse, und ein blau wehender Engel und seine kleinen Helfer beweisen, dass es gar keinen Müll gibt, sondern dass aller Abfall wertvoller Ausgangsstoff für neue Produkte sein kann.

Wir sind die Welt - Kreativ für den KlimaschutzAngefangen hat alles mit der "KLIMAKATASTROPHE". Als Daniela Dörfel und Chady Seubert diese Wortschöpfung zum ersten Mal hörten, 2007 hat es "Klimakatastrophe" zum Wort des Jahres geschafft, waren sie betroffen. Das, was so unausweichlich klingt und dessen inflationärer Gebrauch den Schrecken der keimenden Katastrophe betäubt, soll einfach so hingenommen werden?

NEIN. Die Schauspielerin Seubert und die Biologin Dörfel haben sich hingesetzt, ein Stück geschrieben -12 Monate lang - und bringen es nun als impulsive Dodo und introvertierte in moderne Medien verliebte Kati auf die "Bühnen der Welt."

Mutiges Handeln statt kluger Klagen

Wie hier in Lenzen: Die improvisierte Bühne in der Turnhalle will im Müll versinken. Ein Meer von Plastik, Papier und Elektronikschrott. Wegwerfgesellschaft. Kati surft durch ihre virtuellen Welten. Den aus dem Lautsprecher pfeifenden schneidenden Wind hört sie nicht.

Anders Dodo. Sie fürchtet sich vor der KLIMAKATASTROPHE. Davor, dass viele Millionen Menschen aus unwirtlichen Regionen flüchten müssen. Davor, dass die Regenwälder nicht mehr die ganze Welt mit Sauerstoff versorgen können. Davor, dass die Wüsten sich ausdehnen, die Unwetter als greifbare Katastrophen Landstriche verheeren. Davor, dass Trinkwasser noch knapper wird. Davor, dass ihr Freund in Afrika, der im ganzen Leben soviel Strom verbraucht wie jeder von uns in einem Jahr, zum Opfer der Klimakatastrophe werden wird. Davor, dass"

Doch halt. Wir sind die Welt – Die Zukunft gehört uns? Gemeinsam mit den Kindern singen Kati und Dodo dieses ermutigende Lied. Und erhalten auf ihre eingeschobenen Fragen Antworten, wie diese Zukunft wirklich werden kann: "Wir pflanzen Bäume, Rosen und Tulpen. Wir spielen mehr Fußball und weniger am Computer. Wir sparen Wasser. Wir trennen Müll"

Am Ende des Theaters ist die Bühne blitzblank. Ob die gespielte Botschaft angekommen ist?

Ist es normal, dass acht bis 12-jährige Kinder 70 Minuten lang gebannt einem Stück folgen, in dem sie immer wieder vielfältig eingebunden werden?

Jetzt sind die Kinder von Lenzen am Zug! Und alle anderen auch. Oder?

Information:

Bei der 15. Sommeraktion der Naturwacht im "Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Brandenburg" steht der Klimawandel im Mittelpunkt. Das Sponsoring der Sparkasse Prignitz ermöglicht es der Naturwacht, das besprochene Theaterstück an 10 Schulen kostenlos auf die Bühne zu bringen. Kontakt zu den Darstellerinnen: traeder@t-online.de.

Und für alle, die schon einmal in das Stück hineinsehen möchten: http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=58399264



veröffentlicht im naturmagazin berlin brandenburg 2009

Copyright Roland Schulz