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Das große Fressen

Baden-Württembergische Allianz gegen Borreliose

Nachdem sich Hoffnungen auf eine rasche Impfstoffentwicklung gegen die von Zecken übertragene Borreliose zerschlagen haben, gehen Wissenschaftler der Universität Hohenheim den direkten Weg: Sie suchen nach natürlichen Feinden, welche die Zecken angreifen und töten.

Als blinde und taube Wegelagerer können sie bis zu 18 Jahre auf ihre Chance warten. Bereits ein leiser Hauch von Buttersäure signalisiert ihrem feinen Geruchssinn die Annäherung eines Opfers. Kaum sitzen sie in dessen Fell oder auf der Haut, stechen sie schmerzlos zu.

Holzböcke und andere Zeckenarten galten noch vor wenigen Jahrzehnten als so lästige wie harmlose Blutsauger. Inzwischen ist längst bekannt, dass sie als Überträger gefährlicher Krankheiten wie Hirnhautentzündung oder Lyme-Borreliose fungieren.

Da im Gegensatz zur FSME-Schutzimpfung für Mitteleuropa noch kein wirksamer Impfschutz gegen die von Bakterien ausgelöste Borreliose vorhanden zecken übertragen Borrelioseist, soll es jetzt den Zecken direkt an den Kragen gehen. Zu diesem Zweck unterstützt die Landesstiftung Baden-Württemberg mit 500.000 Euro ein dreijähriges Forschungsprojekt der Universität Hohenheim und des Landesgesundheitsamtes.

Die Ziele sind für Projektleiterin Professor Ute Mackenstedt eindeutig: "Mit geeigneten Methoden wollen wir natürliche Widersacher der Zecken ermitteln, im Labor züchten und konzentriert in Naherholungsgebieten ausbringen." Dabei klingt bei der Hohenheimer Parasitologin durchaus Respekt mit: "Zecken sind sehr widerstandsfähige Tiere. Sie leben ausschließlich von Blut. Da sie keine Widersacher mit der Nahrung aufnehmen, ist es gar nicht so einfach, sie umzubringen."

Ermutigende Beispiele

Doch bei ihrer Suche nach natürlichen Feinden der Zecke, und hier speziell des in Mitteleuropa dominanten Gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus), betreten die Biologen kein völliges Neuland. Untersuchungen in den USA und Kenia belegen, dass sich dort eine Wespenart auf Zecken als Beute spezialisiert hat. Diese auch in unseren Breiten lebende Wespe wird von den Hohenheimer Wissenschaftlern ebenso untersucht wie Larven von Fadenwürmern oder spezielle Pilzarten.

Doch wie töten Pilze, Würmer oder Wespen? "Pilzsporen dringen über die Atemwege in ihre Wirte ein. Entweder sterben diese an den von Pilzen produzierten Toxinen oder einfach am Wachstum der Pilze," erläutert Mackenstedt. Weniger subtil gehen andere Widersacher zu Werke: Parasitische Wespen legen ihre Eier in die Zecken. Die geschlüpften Larven fressen ihre Wirte, ähnlich wie die Fadenwürmer, bei lebendigem Leibe auf.

Bereits in diesem frühen Projektstadium sind die Mitarbeiter längst über die Auswertung vorhandener Literatur hinaus. "Aktuell untersuchen wir verschiedene Stämme der Pilze und Fadenwürmer auf ihre Aggressivität gegenüber Zecken. Dabei konnten wir bislang enorme Unterschiede bei einzelnen Stämmen feststellen", nennt Mackenstedt ein ermutigendes Zwischenergebnis.

Der weitere Zeitplan des Forschungsprojektes ist eng gesteckt: Die aggressivsten Stämme werden im Landesgesundheitsamt gezüchtet. Im Anschluss stehen erste Tests auf deren Praxistauglichkeit an. Danach werden die natürlichen Widersacher der Zecken auf Waldspielplätzen oder an stark frequentierten Wanderwegen ausgesetzt. "Die genaue Technik des Aussetzens muss noch geklärt werden. Dabei betreten wir absolutes Neuland," skizziert Prof. Mackenstedt die Herausforderungen auf ihrem Weg zu einer erfolgreichen Eindämmung der Holzböcke.




veröffentlicht in der Südwestumschau am 26.08.2005

Copyright Roland Schulz